Ausstellung Mathias Ouvrad - Pont-L'AbbéAusstellung Mathias Ouvrad - Pont-L'Abbé
©Ausstellung Mathias Ouvrad - Pont-L'Abbé|C. Dameron

Haube und Tracht

Die Bigouden-Haube und die Bigouden-Tracht sind Teil unseres kulturellen Erbes. Sie werden in Museen ausgestellt und gefeiert, vor allem im Sommer bei traditionellen Zusammenkünften.

Die Geschichte von einer kleine Haube, die hoch hinaus wollte

Im 19. Jahrhundert war die Bigouden-Haube seltsam klein, während es damals überall sonst die Mode ganz anders wollte. Unsere Haube fiel also damals in der Bretagne schon auf. Klein blieb sie bis Anfang des 20. Jahrhunderts.

Da wurde sie eines Tages nicht mehr einfach am Stirnrand aufgesetzt, sondern weiter oben auf dem Kopf auf einem kreisförmigen Kamm befestigt. Und von da aus konnte sie immer höher hinaus!

Um 1910 war sie etwa zehn Zentimeter hoch, um 1920 schon etwa zwanzig Zentimeter und in den 1940er Jahren erreichte sie die beachtliche Höhe von 33-35 Zentimetern.

Symbol des Pays Bigouden und der ganzen Bretagne

Heute wird die Haube im Bigouden-Land nicht mehr täglich getragen. Sie wird sorgfältig aufbewahrt, aber nicht vergessen!

Dass die Haube so stark gewachsen ist, kann man auf einen gewissen Wettstreit zwischen den jungen Mädchen zurückführen: jede wollte sich ein wenig von ihren Nachbarinnen abheben. Die Geschichte der Bigoudènes, der Frauen des Pays Bigouden, spiegelt sich auch in der Haube wider. Sie haben es verstanden, sie immer wieder der Zeit und der Mode anzupassen. Die Haube ist ein Symbol, sie hat einen festen Platz in der kollektiven Erinnerung.

Dank der kühnen, stolzen, oft charaktervollen jungen Mädchen wuchs die Haube in die Höhe und wurde geradezu ein Markenzeichen. Weit über das Pays Bigouden hinaus ist sie sogar ein Symbol für die ganze Bretagne geworden.

 

 

Wo kann man die Hauben sehen?

  • Bei der großen Parade des Festivals der Stickerinnen, am zweiten Wochenende im Juli.
  • Im Bigouden-Museum, ab Sommer 2026.
  • Im Sommer jeden Montag um 18 Uhr, im Hafen von Lesconil, Trachtenvorführung und Einführung in den Tanz (kostenlos).
  • Bei der Parade Entre terre et mer in Penmarc’h im August.
  • Und auch bei vielen anderen Veranstaltungen.
FAQ
  • Wird die Haube noch getragen?

    Ja und nein… Frauen, die sie ihr ganzes Leben lang getragen haben, seit sie kleine Mädchen waren, setzen sie heute nicht mehr auf. Aber dennoch ist sie nicht ausgestorben! Heute sind es Gruppen und Vereine, die diese Tradition weiterführen, wenn sie auf Festen, Festivals und anderen kulturellen Veranstaltungen auftreten.

    In den Mitgliedern dieser Gruppen steckt der tiefe Wunsch, die überlieferten Bräuche zu respektieren, nichts dem Zufall zu überlassen und sich diese Kultur anzueignen, ohne als rückständig zu gelten.

    Viele junge Menschen engagieren sich in diesen Ensembles, die Zukunft ist gesichert!

  • Wie hält die Haube?

    Wie schafft es eigentlich ein so großer Kopfschmuck, aufrecht zu bleiben? Gute Frage!

    Das wichtigste ist, die Haube gut zu stärken, d. h. sie mit Hilfe von Stärke zu versteifen. Das dauert ziemlich lang und erfordert ein wenig Arbeit.

    Als erstes wird der Kopfschmuck gut gewaschen, damit er schön weiß ist (an der Grenze zum Blau, damit er noch strahlender wirkt). Jetzt ist er so weich, wie ein Stück Stoff eben ist, und um ihm Halt zu geben, wird er mit einer ganz besonderen Mischung aus Stärke, Paraffin und Wasser bestrichen. Anschließend wird die Haube mit einem Bügeleisen getrocknet, um ihr ihre Form zu geben. Das ist ein langwieriger Prozess, denn es dauert etwa 45 Minuten, bis der Kopfschmuck trockengebügelt ist. Dabei muss man sehr gut aufpassen, den Stoff nicht zu verbrennen! Nicht umsonst war Büglerin früher ein eingenständiger Beruf.

  • Stickerei oder Spitze?

    Dies sind zwei völlig unterschiedliche Techniken. Spitze hat keinen Untergrund, sie wird durch das Verflechten feinster Fäden hergestellt (im Fall von Picot mit Hilfe einer Häkelnadel).

    Die Stickerei hingegen wird mit Nadel und Faden auf einem Trägermaterial angefertigt. Das kann Wollstoff für eine Weste, Tüll oder Organza für einen Kopfschmuck sein. Die Bigouden-Haube ist also bestickt und nicht aus Spitze.

    Es gibt nur sehr wenig Spitze an traditioneller Kleidung im Pays Bigouden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden manchmal Halskrausen für Kleinkinder mit Spitze verziert. Picot findet man in Form von Deckchen.

  • Wo kann man einen Stickerei-Workshop machen?

    Im Abri du marin in Sainte-Marine zweimal im Sommer, mit Nadine Chaminand.

  • Wie setzt man eine Bigoudène-Haube auf?

    Sie wird nicht einfach wie ein Hut aufgesetzt. Es ist eine ziemlich komplizierte Prozedur! Zunächst einmal ist es unerlässlich, dass Sie lange Haare haben, denn die Haare halten die Basis zusammen. Zuerst setzt man eine eng anliegende Kappe auf, die auf Bretonisch koef blev heißt, dann zieht man die Haare hinten hoch und steckt sie mit einem Samtband und Nadeln an der Kappe fest.

    Anschließend wird ein runder Kamm aufgesetzt, auf dem man zuerst die Rückseite der Haube (dalet) und dann die Haube selbst, an der zuvor die Bänder festgesteckt wurden, befestigt. Nun werden diese Bänder mit Hilfe von Nadeln zu einer schönen Schleife seitlich am Kopf gesteckt. Zum Schluss werden die Haare über der Stirn zu hübschen Löckchen gedreht.

    Und wenn Sie es selber probieren wollen: der Link zu einem Erklärvideo.

Nadine Chaminand Stickerin auf der Ile TudyNadine Chaminand Stickerin auf der Ile Tudy
©Nadine Chaminand Stickerin auf der Ile Tudy

Die Stickerei ist seit jeher eine echte Leidenschaft. Ich sticke und kreiere in meinem Atelier. Ich biete auch Workshops für diejenigen an, die sich in dieser althergebrachten Technik weiterbilden möchten.

Diese Workshops finden zweimal im Sommer im „Abri du marin“ in Sainte-Marine statt und müssen vorab gebucht werden.

Nadine Chaminand

Die Bigouden-Tracht

 Vom Kleidungsstück zur Tracht

Traditionelle Bigouden-Kleidungsstücke trug man früher zur Arbeit, auf lokalen Festen oder um den Stürmen zu trotzen. Auch wenn sie heute nicht mehr im Alltag getragen wird, sind sie keineswegs verschwunden. Museen stellen Tracht aus, Gruppen für keltische Musik (bagadoù) und Tanz bewahren und tragen sie. Tracht wird übernommen, überarbeitet, manchmal neu interpretiert, oft gefeiert.

Wenn Sie durch das Bigouden-Land reisen, können Sie viel über die Feinheiten und den Reichtum eines mit der Tracht eng verbundenen überlieferten Know-Hows, der Bigouden-Stickerei erfahren.

 Die Zunft der Sticker

Bevor die Stickerei zur Zierde wurde, war sie auf Kleidungsstücken vor allem funktionell. Sie diente dazu, ein Seiden- oder Samtband zu befestigen oder eine Naht zu verdecken. Nach und nach nahm sie immer mehr Platz ein und lehnte sich an Motive an, die in Frankreich gerade Mode waren. Die Stickerei auf bäuerlicher Kleidung blieb sehr kodifiziert.

Die Kleidungsstücke wurden aus schwarzem oder blauem Wolltuch geschneidert, das zum Teil mit Leinen gefüttert war. Sie wurden von Männern bestickt, da sehr dicke Stoffe durchstochen werden mussten und eine gewisse Kraft zum Einstechen und Schieben der Nadel erforderlich war.

Die Sticker, tennerien neud (« Fadenzieher » auf Bretonisch) wurden von den Familien eingeladen, sich anlässlich einer Kommunion oder Hochzeit für die Dauer der Anfertigung der Weste bei ihnen niederzulassen. Zur Arbeit saßen sie meist im Schneidersitz auf dem Boden, einsam über ihre Arbeit gebeugt, und stickten Motive auf, die dem sozialen Rang, dem Wohnort und dem Vermögensstand des Auftraggebers entsprachen.

Die Bigouden-Sticker bildeten lange Zeit eine mächtige und originelle Zunft. Ende des 19. Jahrhunderts waren sie in der Gegend um Pont-l’Abbé zahlreich vertreten. Sie hielten sich über die neuesten Trends der Pariser Mode auf dem Laufenden und arbeiteten verschidene Stile in ihre Stickmuster ein.