Wanderung zur Kapelle Saint-Evy - Saint-Jean-TrolimonWanderung zur Kapelle Saint-Evy - Saint-Jean-Trolimon
©Wanderung zur Kapelle Saint-Evy - Saint-Jean-Trolimon |J. Jehanin

Kapellen und Kirchen

Kalvarienberge, Kapellen und Kirchen sind Zeugen einer Zeit, die von Glauben geprägt war. Heute ist es leicht, die Tür zu diesen Gebäuden zu öffnen, um die Statuen zu bewundern, die Glasfenster zu betrachten und die friedliche Atmosphäre der Kultstätten auf sich wirken zu lassen.

Der Glaube und das Meer

Man darf nicht vergessen, dass die Bretagne, bevor sie christlich wurde, lange Zeit unter dem Einfluss keltischer und heidnischer Kulte stand. Aber man muss nur die Kalvarienberge und die unzähligen Kapellen am Straßenrand sehen, um festzustellen, dass das Christentum die Landschaft letztlich tief geprägt hat.

Die religiösen Gebäude unserer Region weisen einige lokale Besonderheiten auf. Die Heiligen und Schutzfiguren, die hier verehrt werden, haben oft einen Bezug zur Seefahrt, und die Schiffsmodelle, die als Votivgaben dienen, erinnern daran, dass das Meer hier für die damalige Bevölkerung eine Quelle sowohl der Hoffnung als auch der Angst war.

Nebenstehend die Kapelle Notre-Dame de la Joie (Unsere Liebe Frau der Freude) in Penmarc’h. Ihr Name ist ein Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber der Schutzpatronin, die Schiffbrüchigen das Leben rettete. Eine Mauer schützt das Gebäude vor den Angriffen des Ozeans, muss aber alle 30 Jahre erneuert werden.

Geköpfte Kirchtürme

Auf den Kirchtürmen einiger Kirchen und Kapellen im Pays Bigouden fehlt die Turmspitze. Diese Kuriosität geht auf den Aufstand der Rotmützen im Jahr 1675 zurück, als der Herzog von Chaulnes, Gouverneur der Bretagne als Vergeltungsmaßnahme den Befahl gab, von sechs Kirchen und Kapellen die Turmspitzen zu schleifen.

Von den insgesamt sechs beschädigten Gebäuden blieben drei in diesem Zustand: die Turmspitzen der Kirchen von Lambour und Saint-Philibert (auch Lanvern genannt) sowie der Kapelle von Languivoa wurden nicht wieder aufgebaut. Zwei andere wurden restauriert.

Eine davon ist die Kirche Saint-Tugdual in Combrit, der Wiege des Aufstands im Pays Bigouden, die ihren gerade erst fertiggestellten Glockenturm verloren hatte. Ein Jahrhundert nach dem Aufstand wurde er wieder aufgebaut.

Die Kapelle Saint-Honoré in Plogastel-Saint-Germain ist eine schöne Ruine mitten im Grünen. Nach den Ereignissen errichteten die Einwohner ganz diskret, und ohne den französischen König um Erlaubnis zu bitten, eine neue Turmspitze.

Schließlich gab es auch noch den Glockenturm von Tréguennec, doch die ursprüngliche Kirche kann nicht mehr von dieser gewalttätigen Episode zeugen, da sie seitdem zerstört wurde.

Wunderschöne Ruinen

Es gibt drei verfallene Gebäude:

Die diskrete Vegetation und die schönen Licht- und Schattenspiele tragen zum Zauber dieser Orte bei.

Die Brunnen

Man sagte ihnen heilige oder heilende Kräfte nach. Brunnen gehören oft zu Kirchen und kleinen Kapellen, sie können aber auch allein an einer Wegbiegung stehen.

Verwundete, Blinde und Arme drängten sich um das Wasser, das Wunder wirken sollte, und hofften auf bessere Zeiten. Jedem Brunnen wurde nachgesagt, ein bestimmtes Leiden zu heilen.

Was die Waschhäuser betrifft, so müssen sie von diesem religiösen Erbe getrennt werden. Hier trafen sich die Frauen, deren Aufgabe es war, die Wäsche für den gesamten Haushalt instand zu halten. Die einzigen « Wunderkräfte » des Wassers in den Waschhäusern bestanden darin, Flecken zu entfernen. Man sollte also eher von „volkstümlichem Kulturerbe“ sprechen, das mit den Gebräuchen der damaligen Zeit verbunden ist.

Serge Duigou Historiker

Paroles de Bigouden - Serge Duigou
Paroles de Bigouden - Serge Duigou

Serge Duigou ist Historiker. Er wurde in Pont-l’Abbé geboren und begeistert sich für die prägenden Episoden des Pays Bigouden, wie zum Beispiel den Aufstand der Roten Mützen.

Er bietet häufig öffentliche Vorträge zu verschiedenen Themen an.