Beschreibung
Eine komische Tragödie
Eine Inszenierung von Patrice Jouffroy und David Gambier. Uraufführung 2024
Inmitten eines Wirrwarrs von Gegenständen erzählen sich zwei Männer ihre Geschichten. Da sind Jeannot und Lulu; ein Onkel und ein Neffe. Ein Umzug bringt sie zusammen: der Umzug aus dem Haus von Lulus Eltern, dessen Vater während des Indochina-Kriegs auf tragische Weise ums Leben kam.
Während nach und nach die Räume leergeräumt und die Gegenstände sortiert werden, kommen Erinnerungen hoch. Da sind die Kleinigkeiten, die Anhänger, die Gegenstände aus der Kindheit und die Fotos … Ach, die Fotos! Auf dem Papier gefangen, zeichnen sich die Gesichter einer anderen Zeit ab und werden durch Briefe, kleine Anekdoten oder Erzählungen, die Teil der großen Geschichte sind, wieder lebendig. Die Toten, um die wir trauern, sind oft jene, die zu früh und ungerechtfertigt von uns gegangen sind. So bleibt der bittere Nachgeschmack der Vergangenheit, das schmerzhafte Gefühl, dass all das hätte vermieden werden können. Wir verdrehen die Realität, schreiben die Vergangenheit neu, zerbrechen uns den Kopf mit „Was wäre, wenn“-Fragen, doch die Wahrheit liegt da, direkt vor unseren Augen, schlicht und brutal: Sie werden nicht zurückkommen. Um das Schicksal besser abzuwenden, gestalten wir also die Gegenwart neu und lassen unsere Toten wieder aufleben, bis sie für die Dauer einer Aufführung den gesamten Bühnenraum einnehmen. Es ist das Theater unseres Lebens, das sich hier abspielt. Und diesen in Indochina gefallenen Mann (Lulus Vater) lassen wir so gut es geht weiterleben, da er wie ein Spiegel wirkt. Er ist der Hüter unserer intimen Erinnerungsstücke, wie eine Ikone, die sich in unserem Innersten aufrichtet. Er ist ein Waffenbruder, ein Onkel, ein Bruder, ein Vater, ein Moped-Fan, ein liebender Mensch und noch vieles mehr, was uns an unsere Schwächen und Zweifel erinnert. Letztendlich ist es seine Abwesenheit, die uns in die Gegenwart und ins Leben zurückholt. Ein Leben, das sich durch Zärtlichkeit und Humor immer wieder durchsetzen wird – die einzigen Garanten für den Glauben an eine bessere Zukunft. Letztendlich sind Lulu und Jeannot die komischen Wegbereiter einer Geschichte, die auch unsere eigene sein könnte. Es ist eine atemberaubende und schlichte Erzählung, in der der Zuschauer der Hauptakteur der sich entfaltenden Tragödie bleibt.




